Liebes ibook …
… oder, wie manch Weibchen Dich zu nennen pflegte, iBooki.
Es war schön Dich gekannt zu haben. Nein, wirklich … ich habe mich gefreut, als Du endlich hier eingetroffen bist, wie der UPS-Mann durch den Regen eilte, um Dich sauber und trocken vor meine Tür zu stellen … gleich in die Pfütze davor. Was war ich begeistert von Deiner tollen Verpackung, den vielen blinkenden Dingen darin und auch ausserhalb, die mit Dir kamen. Eine schicke Behausung hatte ich Dir bereits hergerichtet und Du dankest es mir damit, meinem Schreibtisch Luft zu verschaffen – ein tolles Gefühl … so toll, daß ich es gar zu einer Auspackzeremonie brachte, was vollkommen untypisch für mich ist.
Nun gut, es währte nicht lang. Um genau zu sein – aber das ist nicht Deine Schuld – endete es damit, daß ich die original Apple-Maus in die USB-Anschlüsse steckte, die sich dummerweise auf der linken Seite befinden. Da die Maus mit ihrer Kabellänge die Großzügigkeit des hlg. Steves zum Ausdruck bringt, der von seinen Jüngern die Linkshändigkeit einfach so erwartet, reichte die Freude daran nicht allzuweit – genaugenommen noch nichtmal über Deine volle Breite – Du musst entschuldigen, daß ich deswegen zu einer billigen Logitec-Maus griff, die sich nicht so gut machte neben Deinem reinweißen Kleid, dafür aber im Längenvergleich des Kabelschwanzes jede Apple-Maus schlug.
Auch verzeihen musst Du mir daß ich Dich Dinge tun ließ, die Deiner Stellung unangemessen waren. z.B. tatsächlich Arbeiten. Ich weiß, Du bist ein LifeStyle-Produkt … und rückblickend verstehe ich, daß Du regelmäßig den Dienst quitiert hast, einfach so, wenn Du Deiner Meinung nach fiese Arbeiten machen musstest – z.B. einen Film berechnen oder eine Photoshopdatei bearbeiten. In der Hitze des Gefechtes passiert sowas schon mal – und schließlich kannst Du nichts dafür, daß Du – trotz dessen ich Dich wie ein rohes Ei behandelt habe – binnen weniger Tage 1 Deiner Füße verloren hast – im Laufe der Jahre wurden es 3, keiner ist jeh wieder aufgetaucht – in Noppenkreisen werden sicher interessante Gruselgeschichten dazu den kleinen Füßchen am Lagerfeuer erzählt. Der vierte in er Batterie ist dafür unbewegbar – kein Wunder daß Du immer etwas wackelig auf den Beine warst und bist.
Da kann man schonmal blass werden. So wie Du mit Deinem Bildschirm – schon nach kurzer Zeit zeigte sich ein leichter weißer Fleck im dunklen Hintergund – im laufe der kommenden Jahre wurden es wesentlich mehr und man konnte sie auch auf hellem Hintergrund sehen – das war wirklich hilfreich um die zu fest angezogenen Montierschrauben auszumachen, die gleich neben dem diskret angebrachten Klebestreifen lagen, den man ein bißchen schräg aufgebracht hat, damit man weiß, wo er liegt und wo es bei der Montage wohl geklemmt hatte.
Aber mit Monitoren hattest Du es ja sowieso nicht so, das verstehe ich ja auch … wer braucht schon einen zweiten Monitor, da gebe ich Dir recht. Danke, daß Du mich durch einen Wackelkontakt Deiner DVI-Buchse darauf aufmerksam gemacht hast, mir haben die Farben gefallen, die dann auf dem externen Monitor auftauchten …
Und ja, ich verstehe auch, daß bei all der Arbeit auf die Du nie so richtig Lust hattest, weil der hlg. Steve Dir versprochen hat daß Du bei einer schicken Dame auf dem Schreibtisch stehen wirst und nur ein bißchen Modeseiten abzusurfen hast, die Festplatte ihren Geist aufgibt – freilich hätte es in der Garantiezeit besser gepasst und nicht erst ein paar Tage danach. Wenn an der Laufzeit noch eine 0 in Jahren drangehangen hätte, oder wenigstens die Hälfte davon wie bei allen anderen auch, währe ich auch nicht unglücklich gewesen.
Ich hatte vollstes Verständniss dafür, daß Du oftmals nicht so recht aufwachen wolltest, wenn ich darum bat – manchmal hat man solche Tage und muss erst richtig wachgerüttelt werden … niemand kann das besser nachvollziehen als ich. Zumindest konnte ich es besser nachvollziehen als die Gründe dafür, denn die wechselten entweder ständig oder es gab sie einfach nicht … es wird Dein ewiges Geheimnis bleiben.
Das wolltest Du ja auch aus der Tastatur machen – schon nach 2 Monaten war die Hälfte der Buchstaben nicht mehr wirklich vorhanden, nach dreien waren sie gänzlich weg. Ja, ich gebe es zu, ich habe die Weisheit dexs hlg. Steve nicht verstanden! Mea Culpa, ich ließ die Tastatur viermal austauschen bevor ich seiner Weisheit gewahr wurde … er wollte mich Zen-Blindtippen lehren … mittels einer Tastatur, die mir zu Beginn noch Unterstützung anbietet und sich dann nach und nach zurückzieht bis zu einer klaren, durchdachten Form des freien Geistes.
Gleiches gilt auch für den in späterer Zeit ständig auftretenden Wackelkontakt zwischen Bildschirm und dem Rest von Dir – aber Du musst entschuldigen … meine Möglichkeiten, Inhalte nur im Geiste zu erfassen konnte nicht mithalten mit Deinen Erwartungen an meine Meditationsfähigkeiten.
Aber ob das auch für das Combo-Laufwerk gilt, das mir nach 2 Jahren Stückchenweise entgegenkam und fürderhin gerne CDs verschmierte, weiß ich hingegen nicht … womöglich war der CD-Schacht nicht dafür vorgesehen, CDs aufzunehmen. Verzeih mir diesen Frevel.
Ich könnte ewig so weiterschwärmen von Deinen Vorzügen, aber ich lasse es für diesesmal gut sein – setzt Dich einfach da rüber auf die Coach und genieße Dein wohlverdientes Gnadenbrot als Surfrechner wenn mir nach einem bequemeren Platz als dem Schreibtisch zumute ist – da gibt es auch Strom, denn so recht Mobil bist Du mit 19 Minuten, auf die es sich nach dem rapiden Verlust Ende des 2. Jahres auf kaum mehr als 20% Leistung eingependelt hat, schließlich auch nicht mehr.
War nett, Dich gekannt zu haben.
[update] Das iBook ist übrigens im Mai 2009 eines natürlichen Todes gestorben.