ughughs schwafelei
Es besteht kein ewiger Anspruch auf regelmäßige Blog-Artikel!
Thematische Blogs sind doof. Oder: 4 Wochenenden im Leben eines Ughugh
Categories: Unwichtiges

«Du musst mehr bloggen!» – «Am besten nur noch politisch!» … das habe ich in den letzten Wochen öfters gehört, aber warum “muss” ich das eigentlich machen?

Klar könnte ich mehr schreiben – sogar mehr, als mir im Moment die Zeit dafür bleibt, aber das würde stressig und darauf habe ich schlicht keine Lust. Andere lösen dieses typische Bloggerdillema, indem sie aus jedem Link, aus jeder Pressemeldung, aus jedem Youtube-Video das sie ganz toll finden, aus jedem Fliegenschiss gleich einen eigenen Artikel basteln, der selten aus mehr, denn einem Einzeiler und dem Verweis auf die Quelle besteht. Damit kann man zwar leichtesterweise ein halbes dutzend Einträge am Tag produzieren, aber ich finde es das nicht nur unbefriedigend, sondern als Leser auch regelrecht nervig.

Aber eigentlich mag ich gar nicht so themenspezifisch eingeschränkt schreiben1 – ein Artikel auf ughugh.de soll immer auch ein bißchen wie ein Überraschungsei sein: Die Schokolade schmeckt, aber so richtig weiß man nie, was man bekommt – denn so ergehts mir ja auch im realen Leben jenseits der bunten Scheibe vor der wir alle sitzen, wie auch vier  aufeinanderfolgene Wochenenden zeigen.2

Wochenende 1: Bleeding Edge Festival
Metal ist laut, Metal ist schnell, Metal ist nur noch eine Randerscheinung der Musikszene und vor allem wohl defenitiv nicht mehr das, was er dereinst mal war. Diese Erkentnis hatte ich auf dem Bleeding Edge in Oberhausen, wo ich nicht nur äusserst braven Metalheads begegnete (die Ausraster des Abends gingen samt und sonders auf Kosten der örtlichen Dorfjugend), sondern auch Stühlen zum Sitzen an kleinen runden Tischen wie im Variete. Mir lag das altersweise alterstypische “Früher hätte es sowas nicht gegeben!” wirklich auf der Zunge. Das erschreckendste Erlebnis des Abends war freilich nicht die Feststellung, wohl zu den Gesichtsältesten zu zählen, sondern die Tatsache, daß das Weibchen neben einem ausgerechnet Powerwolf, die größten Poser vor dem Herren, ganz toll fand, wärend man selbst immer noch über den “Ich bin so böse und gemein!!!”-Blick der Bassisten mit ihren Babyfaces kicherte.
Das Kichern war mir freilich am Sonntag danach und am Montag, ja, selbst noch am Dienstag mächtig vergangen, weil mich da mein Körper nachhaltig darauf hinwies, daß er den Lärm und die Zappelei gar nicht mehr so witzig findet wie ich … und ja, nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß ich mir unter “Turbinenhalle Oberhausen” schon etwas vorgestellt hatte, dessen Vorbühnenfläche größer ist als mein Wohnzimmer. Und da man sich den Lärm immer nur schwer anhand von ein paar Bildern vorstellen kann, gibts auch was auf die Ohren3 :) – Wers ertragen mag, geht hierhin und hierhin (Lautstärke aufdrehen!), die älteren Herrschaften und Nachbaschaftsgeschädigte mögen diese und diese Version nehmen. Leider habe ich es versäumt, die Soundproben eines der Growler aufzunehmen – sie hätten vermutlich so manchen Ruf über böse Metaller zerstört :)

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Wochenende 2: Barockoper in der markgräflichen Oper Bayreuth

Das direkte Kontrastprogramm zum Bleeding Edge. Statt in eine Ruhrpottstadt zog es uns in die tiefste frankische Provinz, wir gehörten zu den jüngeren, es ging ruhig und gesittet zu, man zog sich ordentlich der Epoche entsprechend an und die Musik war einen Hauch langsamer und leiser. Den Text hingegen konnte man hier wie da nicht wirklich verstehen, wenn man ihn nicht sowieso kannte.

So schön wie die Oper und das, nun für die nächsten Jahre geschlossene, Haus waren, selbst in der Pause trafen wir noch interessante Menschen, so furchtbar war Bayreuth – nicht, daß ich nicht durch einen Besuch vor 2 Jahren schon gewarnt gewesen wäre, aber das Städtchen und Ich, wir werden einfach keine Freunde – daß ich auf der Suche nach einem Frühstück so lange durch das Kaff geirrt bin, bis man es Mittagessen nennen konnte und selbst das dann gewählte Restaurant nur aus der Not heraus gewählt wurde, weil alle andern noch bayrischer und noch rustikaler waren, hat das Verhältnis nicht wirklich verbessert – sie bleibt spröde diese Stadt zumindest zu mir.

Um dem Drama der Futter-Jagd am Abend der Oper gleich zu entgehen – die Rokoko-Ausstattungen sind dafür auch eher ungeeignet – reservierte ich einen Tisch im Goldenen Anker, ersten Haus am Platze – schon das “gold” im Namen hätte mir zu denken geben sollen, weil die Atmosphäre dort unserer Abendgarderobe angemessen schien. Das Ambiente war wie erwartet, der Service war unglaublich – der dreistelligen Preis den ich dafür zu entrichten hatte, und der dem deklarierenden Begriff im Namen des Hotels eine vollkommen neue Bedeutung gab, allerdings auch :), was tut man nicht alles für einen abgerundeten Abend. Ungeachtet dieses finanziellen Aderlasses flüchteten wir , so wie letztes mal, wo es uns nach Bamberg zog, diesesmal umgehend am nächsten Morgen Mittag aus Bayreuth nach Ansbach4, entschlossen uns dort sehr schnell, dann doch noch am gleichen Abend nach Dinkelsbühl, einer wirklich guten alten Freundin5, weiterzufahren, die uns mit dem wohligen Gefühl “nach Hause” zu kommen empfing. Ein seltsames Empfinden, so viele Kilometer von der eigentlichen Heimat entfernt.

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Auch dort ist – überraschenderweise – die Zeit nicht stehen geblieben, obwohl dieses frühbarocke Kleinod diesen Eindruck zu erwecken versucht, alte Lokalitäten waren verschwunden, neue entstanden, aber manches blieb – so zeigten die Kommentare “Ab 19:30 nicht mehr im Kellergewölbe” und “zwischen 12:00 und 16:00 Uhr nur kleine Karte” uns irritierten Stadtkindern dann sehr direkt auf, daß wir doch immer noch in der fränkischen Provinz unterwegs waren :) – das trieb uns letztendlich auch in ein Restaurant, das wir eigentlich nie wieder betreten wollten aufgrund vergangener Erlebnisse – Beteiligte neigen heute noch zu hysterischen Lachanfällen, wenn sie den Namen Klaus Theo Gärtner hören.6 Von dem vorherigen heimlichen spinxen durchs Fenster zweier Erwachsener, ob die alten Kellner noch dort arbeiten, darf man eigentlich keinem erzählen, zualledem diese ausgetauscht waren gegen junge, überaus beflissene Damen, die uns dann auch sogleich zu verstehen gaben, daß wir nicht unbeobachtet durch Dinkelsbühl schleichen können: “Ich wusste, Ihr würdet kommen, als Ihr mir heute Nachmittag auf dem Markt aufgefallen seid. So jemanden sieht man hier nicht oft, eigentlich viel zu selten.”7. Ich gestehe, das war einer der wenigen Momente in meinem Leben wo ich sprachlos war. Nunja, wie nach diesem Empfang erwartet: Der Abend wurde unterhaltsam und das Essen war wirklich hervorragend – und ohne jede Überraschung erheblich preiswerter als am Vorabend, obwohl ich noch zwei Tage zuvor einen Krampf im Geldbeutel bekommen hätte beim Bezahlen :)

Wochenende 3: Workshop Bücherbinden
Bücher muss man binden können. Ich weiß nicht wieso und wozu, aber da ich für dieses Jahr noch keine sinnlose historische Tätigkeit erlernt hatte, entschloss ich mich für Diese. Der Workshop war unterhaltsam, lehrreich und ich mag Euch jetzt nicht mit Details langweilen (den Spaß habe ich mir für’s virtuelle Nebenan aufgehoben um die Historischen zu quälen :) ). Interessant waren vor allem die unterschiedlichen Herangehensweisen – wärend die Männer zu Perfektionismus neigten und alles ganz besonders pedantisch und genau machten – mich eingeschlossen – neigten die Frauen eher zu einer “Passt scho’”-Einstellung und kreativen Eingebungen. So oder so bin ich jetzt aber im Besitz zweier selbstgebundener, in Leinen eingeschlagener, Bücher in meinen Wappenfarben und ringe im Moment noch mit mir, ob sie das Aufstehen um 5:00 Uhr in der Früh, um es rechtzeitig bis Mainz zu schaffen, wert waren.

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Die Erkentnis des Tages: Man kann sich auch technisch hochgerüstet mit Navi und Googlemaps in einer fremden Stadt verlaufen – für den Weg vom Bahnhof zur Buchbinderwerkstatt benötigte ich unzählige Anläufe, um den Ort weiträumig einzukreisen und lief so gute 4 Kilometer, nur um in der Mittagspause am Sonntag festzustellen, daß eigentlich nur 600 Meter und einmal um die Ecke gehen nötig waren -.-
Da ich alleine in Mainz war, wollte ich Abends unter Leute und glaubte, daß dies in einer Großstadt eigentlich nicht schwierig sein dürfte. Mainz belehrte mich eines besseren. Nicht nur werden bereits gegen 20:00 Uhr die Bürgersteige zwangsgeräumt8 – es gibt offensichtlich auch nur exakt zwei Sorten von Restaurants und Kneipen in dieser Stadt: Geschlossene und überfüllte. Ich zumindest gab nach über 2 Stunden herumirren durch Mainz auf – schon nach den ersten 15 Minuten hatte ich meine via iPhone herausgesuchten Favoriten wegen Überfüllung von der Liste gestrichen – und verkroch mich geschlagen von dieser Stadt mit einem Teller Gyros aus einer zur nächtlichen Stunde geplünderten Pommesbude auf mein Hotelzimmer :) – nunja, wenigstes das Gyros war lecker.

Wochenende 4: Journey through the end of the night Lesung: Bangkok Noir
Die eigentlich vorgesehene Schnitzeljagd Journey habe ich dann lieber aufgrund eher dilletantischer Umsetzung gelassen, ersatzweise zerre ich dafür einmal in Beugung der Realität eine andere Veranstaltung dieser Woche heran und heuchle, sie wäre am Wochenende gewesen.

Es gibt Events, zu denen kommt man, wie die Jungfrau zum Kinde, so auch dieses. Den Autoren kannte ich nur durchs Fernsehen, das Buch gar nicht und so recht darunter vorgestellt hatte ich mir auch nichts. Roger Willemsen hieß er und Bangkok Noir sein Buch. Keine Ahnung, warum ich mich entschloss, hinzugehen, vielleicht war es das “Multimedia” in der Beschreibung, das dann doch zumindest bunte Bildchen versprach, aber am besagten Tage – wir wollen uns vorstellen, es sei Samstag gewesen, auch wenn das nicht so recht dazu passt, daß ich abgehetzt von der Arbeit ins Forum M stürzte – saß ich denn da, am Rande, weil zu spät, beobachtete die Backfisch-Groupies in den ersten drei Reihen, die selbsternannte Aachener feine Gesellschaft dahinter, den distingierten Gesichtern nach wohl etwas pikiert, weil man doch weiter vorne sitzen müsste und blätterte auf Willemsen wartend in dem bereits erstandenen Buch9 herum. Der Gedanke streifte mich kurz, daß es sich letztendlich um eine Reisebeschreibung handelte – also war das Buch keinesfalls umsonst gekauft, denn sowas mag ich – weitere Gedanken dazu wurden dann durch die schlagartige Dunkelheit unterbrochen, denn ich hatte gar nicht gemerkt, daß nicht nur irgendein Vorredner unwichtiges gesagt hat, sondern auch Willemsen schon auf dem Podium stand.

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Ist Roger Willemsen ein guter Unterhalter? Auf alle Fälle. Aber eine Lesung halten … nein das kann er wohl nicht. Wann immer er frei sprach, war er witzig, unterhaltsam, natürlich und dennoch intelektuell durchsetzt, es war nachvolziehbar warum die bebrillten Büchergroupies aus der ersten Reihe an seinen Lippen hingen, aber sobald er vorlas aus seinem Buche – voller interessanter und spannender Erlebnisse aus dem nächtlichen Bangkok – verschwand er, war er nicht mehr wahrnehmbar, hatte keine Chance, gegen die eindringlichen Bilder seines Partners Ralf Tooten, die auf die Leinwände projeziert wurden. Nur zweimal war seine Begeisterung zu spüren, kam er aus sich heraus und offenbahrte so auch gleich seine wahre Leidenschaft – denn beide Male ging es ums Essen. Daß es dabei vollkommen egal schien, ob auf dem Tisch nun ein feines Menue stand oder eklige Heuschrecken, machte ihn nur umso symphatischer – aber jenseits davon gelang es ihm nur schwer und in wenigen Momenten, die Atmosphäre seiner vielfach sehr persönlich geschilderten Erlebnisse aufleben zu lassen. Dennoch ein unterhaltsamer Abend mit dem Versprechen auf ein spannendes Buch.

Nicht, daß es immer so bunt an meinen Wochenenden zugeht, dann würde ich wohl schon im Irrenhaus sitzen, aber wie bitteschön soll ich das alles in einem thematischen Blog unterbringen? :)

  1. Nicht, daß ich nicht auch so ein thematisches Blog hätte, aber ughugh.de entstand ja gerade aus dem Bedürfnis heraus, jenseits davon schreiben zu können []
  2. Es sind zugegeben eher Streiflichter dieser Wochenenden. Alle Anekdoten kann man freilich nur von mir direkt erfahren, schließlich muss ich in der realen Welt auch noch was zu erzählen haben :) – zualledem dürfte das Geschwätz den Meisten von Euch eh schon zu lang sein. []
  3. Sven wird begeistert sein, kling schließlich fast wie dieser Jammerheini Xavier Neidoo []
  4. Vorrangig wegen des dortigen Kasper Hauser Museums, das zwar die Thematik nett aufbereitet, aber aktuelle Informationen wohlfeil ignoriert []
  5. Bei Rothenburg ob der Tauber, wie Rothenburg ob der Tauber, aber ohne die Touristenmassen in Rothenburg ob der Tauber []
  6. Bis auf Herry, der erzählt gerne wie er “Im selben Restaurant wie Klaus Theo Gärtner gegessen” hat – daß wir von keinem Kellner mehr bedient wurden und sogar Schwierigkeiten hatten, zu bezahlen, scheint in seiner Erinnerung nicht mehr vorzukommen []
  7. Gut, daß wir keine Einheimischen sind kann man sehen, aber für so auffällig hatten wir uns nun auch nicht eingeschätzt :) []
  8. Ausgenommen größere Gruppen volltrunkener Kiddis und Kleingruppen älterer Damen, so scheint es []
  9. Ja, ich neige dazu, bei Lesungen die Bücher immer schon vorher zu kaufen, denn so erspare ich es mir, mich mit den anderen kreischenden Fans nach der Lesung um die toten Bäume balgen zu müssen []

2 Comments to “Thematische Blogs sind doof. Oder: 4 Wochenenden im Leben eines Ughugh”

  1. Andi sagt:

    Du könntest einfach für jedes Thema ein Blog öffnen :).

    • ughugh sagt:

      *iikk* Das klingt ja dann nach richtig Stress, ne lass mal, nachher mach ich noch eins für Physik, eins für Fernsehserien, eins für die Diplomarbeit, eine Seite um alles zusammenzufassen … :P

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