Ben Hur auf Schalke
Oder: Wie man einen Mega-Event in den Arenastaub trampelt.

Crossposting von meiner Webseite – ich fand es wichtig genug, es auch hier unterzubringen. :)
Muskulöse Männer in knappen Röckchen, barbusige Frauen, Pferde, Wagenrennen, Tot, Verderben, Schweiß – ach das ganze Programm, wie man sich eine römische Arena eben so vorstellt. Und das alles gleich um die Ecke, neu aufgelegt in einem Megaevent – gut, der Flyer sah etwas popelig aus, aber er weckte in mir all diese Vorstellungen – da musste ich dabei sein, das versprach wirklich aufregend zu werden … und vor allem: Es war ohne Micky Maus, die seit neuestem die Buffalo-Bill-West-Show in Disneyland ruiniert … ja, das ist in meinen Augen ein Vorteil.
Ben Hur Live - fail

Gesagt getan, schnell gebucht (na gut, so schnell war es doch nicht, wir haben 1-2 Stunden damit zugebracht, die idealen Plätze ausfindig zu machen), bezahlt, Karten bekommen, Karten bewundert, Termin eingetragen und dann eigentlich nur noch auf den Tag der Show warten und genießen. So war der Plan und bis zu „Termin eingetragen“ hat er auch funktioniert. Aber wir haben 2009 – wie man zu sagen beliebte wird es wohl als „Das schwarze Jahr“ in meinen Memoiren stehen, nicht nur wegen der auseinanderfallenden Technik um mich herum und … sagen wir mal anderer Dinge, sondern auch weil von den 3 Großveranstaltungen die ich besuchen wollte der Sonnenball einfach so starb, das Amphi an Teamschwierigkeiten scheiterte und nun auch Ben Hur unter die Räder gekommen ist.

Ihr habt die fiesen, großen Räder römischer Vierspänner schonmal gesehen? Das hätte mir eine Warnung sein sollen, sie mir aus der Nähe ansehen zu wollen, kündigten sie sich doch in Form einer kleinen Textmail am Abend des 13.7 an, die ich beinahe einfach so gelöscht hätte – „wir bedanken uns für Ihre Ticketbuchung und möchten Sie vorab persönlich über eine Neuigkeit im Auftrag von der ART CONCERTS GmbH informieren. Dazu senden wir Ihnen im Anhang die heutige Pressemitteilung.“ – das klingt so wunderbar unverfänglich, so freundlich, schon fast banal, auch wenn ich mich darüber wunderte, dass man sich Monate nach der Buchung plötzlich dafür bedankte und mir eine Pressemitteilung mitschickte. Eigentlich trieb mich nur meine bekannte ungezügelte Neugierde dazu, einen Blick hineinzuwerfen. Glücklicherweise, denn ging es dort dann doch um nicht weniger, als eine Verlegung von Ort und Zeit der Veranstaltung. Soviel zu „eine Neuigkeit“ – diese gleich in die Mail zu schreiben war wohl schon zu viel Aufwand.

Da die Pressemitteilung praktisch keinerlei Informationen enthielt, ausser viel Lobhudelei der beteiligten Geschäftsmänner, die einfach verdecken sollte, dass man vier Veranstaltungen zu Zweien zusammengefasst hat und auch die im weiteren Verlauf erwähnte Umbuchung auf einen anderen Ort eher ein Placebo war, weil in den anderen Veranstaltungen Monate nach dem Start des Ticketverkaufs bestenfalls noch Plätze auf den Sklavenbänken zu haben waren, blieb uns nichts anderes übrig, als bei der kostenpflichtigen Hotline anzurufen.

Nur wussten die Damen, so nett die meisten von ihnen auch waren, praktisch auch nichts, konnten nichts entscheiden und waren auch ansonsten wohl in erster Linie dazu da, die erste Empörungswelle abzufangen. Wir mögen doch einfach die Tickets zurückschicken (Originaltickets in einen Briefumschlag zu stecken und draufzuschreiben „Tickets für Megaevent“ … warum nicht gleich „Los, klau mich!“?) und würden dann irgendwelche Plätze, ähnlich unseren bisherigen, zugewiesen bekommen. Damit hatten wir, so vollkommen informationslos, freilich ein Problem :). Leider konnte man uns keine unserer Fragen beantworten – es gab keinen Sitzplan, wie das Upgrade der Kategorie 1 aussieht (dazu später mehr) könne man uns nicht sagen, ob man Plätze womöglich doch aussuchen kann, könne man uns nicht sagen. Aber wir könnten zurückgerufen werden.

Der erste versprochene Rückruf kam … nie. Dafür erhielt ich dann am 16. Nachmittags eine Mail mit nichtssagendem Inhalt aus Textbausteinen. Das brachte mich dann notgedrungen dazu, erneut bei der Hotline anzurufen – und binnen 5 Minuten wieder aufzulegen weil ich sonst einen Mord begangen hätte – denn die Dame am anderen Ende war weder informiert, noch kompetent, noch willens oder fähig meine Fragen zu beantworten. Weitere Bearbeitungen des Vorgangs legte ich dann in weiblichere Hände :)

Die machten dann den 3. Anruf bei der kostenpflichtigen Hotline – diesmal wohl wieder netter,  leider mit kaum mehr Informationen, aber man bot einen Rückruf an. Mein Déjà-vu nebst warnendem Zeigefinger wurde ignoriert und man wartete erneut brav auf eine Reaktion. 2 Tage sollte es wieder dauern … und währenddessen waren Um- und Neubuchungen munter in vollem Gange.

Der in der Pressemitteilung für den 14. versprochene Brief kam natürlich erst am 16.7. – also als selbst der offizielle Verkauf bereits im vollen Gange war.

Interessanterweise zu einer Adresse, über die der Veranstalter gar nicht verfügen dürfte, denn die Karten und die Bestellung liefen über mich, bezahlt wurde hingegen mit der  Kreditkarte eines anderen – die dortige Adresse wurde verwendet, obwohl sie nur(!) aus den Abrechnungen stammen kann. Das spricht nicht gerade für einen sonderlich pfleglichen Umgang mit den Kundendaten.

Auch die Vorgehensweise war … seltsam. Alles schien darauf ausgelegt zu sein, uns möglichst unter Druck zu setzen und gar nicht erst zum Nachdenken kommen zu lassen: Zunächst sollte man seine alten Karten zurückschicken um irgendwelche zugewiesenen Plätze zu erhalten. Als wir damit nicht einverstanden waren hieß es, man müsse sich sofort(!) für die dann vorgeschlagenen Plätze entscheiden – es sei nicht möglich diese zu reservieren, nein, einen Sitzplan könne man uns nicht mailen, geben oder zeigen – als wir uns schlichtweg weigerten, einfach so Plätze zu nehmen, von denen wir nicht wissen, wo sie liegen, konnten sie dann plötzlich doch reserviert werden – einen Sitzplan zu bekommen bedürfte es dann freilich eines weiteren Anrufs bei der kostenpflichtigen Hotline – dem Vierten, immerhin gab es zwischendurch einen der versprochenen Rückrufe, auch wenn dabei wenig neues herauskam, so konnte doch wenigstens das Kategorieupgrade näher spezifiziert werden …

Das Upgrade

Das ominöse „Kategorieupgrade“ (Zitat: „Um die Umbuchung den Kunden so angenehm wie möglich zu machen, bietet BEN HUR LIVE® den Umbuchern ein kostenloses Kategorie-Upgrade im Wert von 20 Euro, also statt z.B. 3. Preisklasse sitzt man in der 2. Preisklasse.“) führte dann in unserem Fall zu der Frage, wie denn das Upgrade wohl aussehen mag, haben wir doch bereits die höchste Kategorie. Drei Anrufe bei der kostenpflichtigen Hotline erbrachten folgende Aussagen:

„Nichts“

„Sie bekommen das VIP-Paket“ (ein Spezialangebot mit diversen Extras)

„Sie bekommen einen VIP-Parkplatz“*

Unser „Upgrade“ wäre weder prozentual zum Ticketpreis, noch nominal oder gar in der tatsächlichen Wertigkeit den Upgrades der anderen Kategorien ähnlich gewesen. So dachten wir zumindest, bis der Ticketverkauf es dann doch endlich schaffte – 10 Tage nach dem Start der neuen Sitzplatzvergabe – also als nur noch Reste zu haben waren – die Webseite mit Preisen und Sitzplan zu aktualisieren und wir verdutzt feststellten:

Die „Upgrades“ sind gar keine, denn das Kategorieupgrade im „Wert von 20,-“ sieht folgendermaßen aus:

In der Westfalenhalle gab es 4 Kategorien: 1, 2, 3, 4.

Auf Schalke gibt es 4 Kategorien: Golden Circle, 1, 2, 3.

Was also bekommt jemand der von Kategorie 4 der Westfalenhalle zur Kategorie 3 auf Schalke aufrückt? Richtige Antwort: Nichts.

Dazu passen auch die Preise:

Kategorie 1 in Westfalenhalle: 128,-

Golden Circle auf Schalke: 128,-

Kategorie 3 in Westfalenhalle: 55,-

Kategorie 2b auf Schalke 55,- (Es gibt noch eine Kategorie 2, die tatsächlich 70,- kostet – aber die ist in der Entfernung zu Bühne auch kein „Upgrade“, und Kategoriemäßig sowieso nicht. Rein vom Preis her sind es dann auch keine 20,-)

Das grenzt an Betrug.

Zusammengefasst

Man nötigte den Kunden, die bereits bezahlt hatten ab, sich für eine neue Location, an einem neuen Termin, ohne jedwede Informationen über den Sitzplatz oder den Saalaufbau, ohne wirkliche Einflussnahme auf die Platzierung, binnen 2 Tagen für eine Umbuchung zu entscheiden und sich gleichzeitig dann am Starttermin noch mit den Nachrückenden der niederrangigen Kategorien und Neubuchern um die Plätze balgen zu müssen – dabei wurde noch bewusst Druck ausgeübt, der unnötig gewesen wäre. Wollte man weitere Informationen haben (und die Informationsschnipsel waren wirklich nicht üppig auskünftig) musste man eine kostenpflichtige Hotline anrufen. Dabei hatte die Hotline keinerlei verwertbare Informationen, bei jedem Anruf erhielt man andere Aussagen, die sich auch noch teilweise widersprachen, die „Upgrades“ sind bei genauerer Betrachtung Keine und je mehr man vorher bereit war zu bezahlen, desto weniger „Bonus“ gibt es bei der Umbuchung – da kann man sich schon ein klitzekleines bisschen verarscht vorkommen. **


Dabei wäre es so einfach gewesen.

Wenn man schon aus Profitgründen oder weil man die alten Hallen nicht vollbekommen hat, einen solchen Event einfach zeit- und räumlich verlagert und damit zigtausend Leute vor den Kopf stößt, hätte es vollkommen genügt, die Besucher der abgesagten Veranstaltung frühzeitig zu informieren (also nicht erst 2 Tage, bevor man den Neuverkauf startet), beim ersten Anruf auf einer kostenfreien Hotline wäre dann ein „Sie hatten die Plätze XY, in dem Bereich kann ich ihnen die neuen Plätze AB anbieten, ich maile ihnen mal kurz den Sitzplan“ angebracht gewesen und abschließend, nachdem der zufriedene Kunde zugestimmt hat, noch den Hinweis auf ein kleines Präsent, wegen der Unannehmlichkeiten, geben und alle wären glücklich und zufrieden gewesen – ein Snack oder ein Freigetränk hätten wohl niemanden ins Armenhaus gebracht und das Thema wäre nach 3-5 Minuten vom Tisch gewesen. Statt dessen Hickhack, hin- und her, Extrakosten für den Kunden, extra Arbeit für den Kunden, Kategorieverarschveralberung – das ist einfach nur unprofessionell.

Wir haben sie dann übrigens zurückgegeben, unsere Karten, da die Plätze nichtmal ansatzweise unseren bisherigen entsprachen (wir hatten 2. Reihe im vordersten Mittelblock – und hätten jetzt in der 4. Reihe auf der Rückseite der Bühne gesessen) sowie die Veranstaltung am Freitag lag, was zusätzlicher Stress bedeutet hätte (Samstags gab es nur eine „kinderfreundliche“ Show-Version) und uns das ganze dilettantische Durcheinander den Spaß auf die Veranstaltung leidlich verdorben hat.

Ach hätten wir doch Ben Hur in Paris genommen, wie wir zuerst vorhatten :)

Der Ticketverkäufer

Die Veranstaltungsseite

*Also einen normalen Parkplatz, das VIP hat man letztendlich nur dazu gesetzt weil es dann wertvoller klingt (von dem konnte man uns nichtmal den Wert sagen, was daran lag, dass dieser in der Veltins-Arena vom Veranstalter festgelegt wird – er kann also den Wert dieses „Upgrades“ praktisch beliebig festlegen)

**Als jemand, der womöglich nicht direkt bei Ticket Online Software GmBH/ART Concepts gebucht hat dürfte man das sowieso, denn für alle, die alternative Ticketsysteme verwendet haben hatte der Veranstalter einen passenden Rat „Kümmert Euch selbst drum, geht uns nichts an“ – er hat es in seiner Pressemitteilung natürlich schöner formuliert, aber die Streitereien um Vorverkaufsgebühren, die man nicht zurück bekommt, kann ich mir gut vorstellen.


Kommentare zu “Ben Hur auf Schalke
Oder: Wie man einen Mega-Event in den Arenastaub trampelt.

  1. Hallo – hier habe ich ein eine sehr ähnliche Erfahrung gemacht – nur habe ich noch nicht mal eine e-mail oder sonstiges erhalten, sondern bin durch Zufall auf die Veranstalterseite gegangen und habe dort gesehen, daß die Veranstaltung von der Westfalenhalle nach der Veltins-Arena verlegt wurde. Mein Ticketverkäufer wußte auch nichts, die angegebenen Hotline teilt mir erst mit, für uns nicht zuständig zu sein, da Sie nicht Tickets von Ihnen wären – dann die gleiche Arie – Druck ausüben, keine Information über Sitzplätze, keine Reservierungsmöglichkeiten – und upgrade in die höchste Kategorie auch ein Witz (da ja Parkplatz bereits vorhanden) – 4 Karten gekauft in der höchten Kategorie – und dafür 1 Parkplatz angeboten, der bereits enthalten war ! – Nach mehrfachenen Versuch den zuständigen Veranstalter zu erreichen und falschen e-mail Angaben, endlich jemand erreicht – als Trostangebot 15,00 Geschenk angeboten – toll ! – Dafür das man jetzt mit 4 Personen eine Stunde länger fahren darf, übernachten muß, weil nur Abendvorstellung möglich war und dann auch noch schlechtere Sitzplätze (von Reihe 2 auf Reihe 6 – wo genau weiß ich bisher immer noch nicht !) – Wenn es nicht ein Geburtstagsgeschenk für meinen Mann gewesen wäre, hätte ich gute Lust, die Karten zurückzugeben – Ein solcher Umgang mit einem Kunden habe ich bisher auch noch nicht erlebt – also für mich kommt so etwas zukünftig nicht mehr in Frage – hier vor Ort (Nähe Frankfurt) habe ich mit den regionalen Veranstalter und Ticketstellen nie solche Probleme gehabt – rein vom organisatorischen kann man hier nur die Note 5 – mangelhaft vergeben !!!
    Hoffe, daß mich wenigstens die Show nicht enttäuscht.

  2. Hallo Gabriele,
    vielen Dank für Deine lange Schilderung – ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, wie es wohl den Ticketkäufern erging, die nicht direkt beim Veranstalter gekauft hatten.

    Es sind wohl einige, denen es ähnlich erging und die sich das nicht haben gefallen lassen – viele Karten wurden, aufgrund dieses mehr als fragwürdigen Vorgehens durch die Veranstalter, zurückgegeben – wir gehörten ja noch zu denen, die eher zur geduldigen Sorte gehörten,

    Ich hoffe, das Euch die Show gefällt und ihr nach all dem Ärger wenigstes noch gut unterhalten werdet :)

  3. Pingback: Nachschlag. | ughughs schwafelei

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